Einleitung

Wirtschaftsdünger haben in der österreichischen Landwirtschaft im Sinne der Kreislaufwirtschaft und als Basis einer guten Nährstoffversorgung unserer Kulturpflanzen und
Erhaltung der Bodenfruchtbarkeit eine große Bedeutung. Zusätzlich haben die hofeigenen Wirtschaftsdünger aufgrund der aktuell extrem sichtbar gewordenen Energieabhängigkeit der Welt eine noch nie dagewesene wirtschaftliche Bedeutung gewonnen. War bis vor 2-3 Jahren der Kilogramm Stickstoff „nur“ zwischen 0,50 und 1,0€ wert, ist dieser mittlerweile auf schwindelerregende 2,50 bis 3,20€/kg gestiegen. Werden die anderen Nährstoffe (Phosphor, Kali, Kalzium, …), die ebenfalls in unseren Wirtschaftsdüngern zu finden sind ebenfalls bewertet, dann ist eine klassische Milchviehgülle bis zu 16€/m3 wert. Aber nicht nur deshalb ist es hoch an der Zeit sich mit möglichen Effizienzverbesserungen im Wirtschaftsdüngermanagement zu beschäftigen, sondern auch aufgrund der immer intensiver werdenden Diskussion um die geruchliche Belästigung im Zusammenhang mit der Wirtschaftsdüngerausbringung. In diesem Spannungsfeld steht nun zusätzlich verschärfend die NEC Richtlinie, eine EU-Richtlinie zur Umsetzung bereit. Diese NEC Richtlinie gibt den einzelnen Mitgliedsstaaten Höchstmengenbegrenzungen von Luftschadgasen vor. Damit soll die Feinstaubbelastung in Europa deutlich reduziert werden. Davon betroffen ist neben Schwefeldioxid (SO2), Stickoxid(NOx) und Nicht-Methan-flüchtige Kohlenwasserstoffe
(NMVOC) auch der Ammoniak(NH3). Bei Ammoniak ist die Landwirtschaft mit 94% die Hauptemissionsquelle. Ammoniak wird zu den Feinstaub-Vorläufersubstanzen gezählt. Über 40% des Ammoniaks geht dabei bei der Wirtschaftsdüngerausbringung verloren. Damit ist die Ausbringung der am stärksten betroffene Aktivitätsbereich. Aus den Stallungen und den Wirtschaftsdüngerlagern zusammen emittieren rund 50% der Ammoniakemissionen.
Verteilt auf die Tierkategorien, stammen annähernd 60% aus der Rinderhaltung, 25% aus der Schweinehaltung und 10% aus der Geflügelhaltung. Den Rest teilen sich
die anderen Tierkategorien.
Bis zum Jahr 2030 müssen die Ammoniakemissionen um 12% bezogen auf das Basisjahr 2005 reduziert werden. 2020 betrugen die Ammoniakemissionen 65,4 kt, der Zielwert liegt bei 55 kt. Damit sind knapp 10,5 kt Ammoniak bis 2030 zu reduzieren.

Was ist in den kommenden 7 Jahren zu tun?

Um die Anforderungen aus Umweltdiskussion, Nachbarschaftsproblematik im Bereich Geruch, den Anforderungen einer bedarfsorientierten Pflanzenernährung und letztlich der NEC Richtliniejedenfalls einigermaßen gerecht werden zu können braucht es Anstrengungen in allen Aktivitätsbereichen (Stall-Lager-Ausbringung) und bei allen Tierarten!
In der Wirtschaftsdüngerausbringung steckt allerdings der stärkste und am raschesten umsetzbare „Hebel“. Damit ist insbesondere die Notwendigkeit der deutlichen Erhöhung des Anteiles an bodennah ausgebrachter Gülle zu verstehen.
Derzeit werden auf Grünland weniger als 10% der Gülle bodennah ausgebracht. Am Acker liegt der Anteil bereits bei 30-35%. Das Ziel muss es sein, dass wir im Grünland wenigstens 45, besser 50% der Gülle bodennah ausbringen.
Auf Acker müsste der Anteil zumindest verdoppelt werden.
In der GAP NEU (ab 1.1.2023) wird die mit dem Schleppschlauch bodennah ausgebrachte Gülle wie bisher mit 1,00€/m3 und die mit dem Schleppschuh ausgebrachte Gülle mit 1,40€/m3 gefördert. Wird die Gülle „eingeschlitzt“ oder direkt eingearbeitet (Güllegrubber), dann wird in Zukunft 1,60€/m3 bezahlt.
Auf unbestellten Ackerflächen ist Festmist und Gülle „unmittelbar“ (innerhalb von 4 Stunden) einzuarbeiten. Um hier eine „Bodenverschmierungen“ zu verhindern darf die Ausbringmenge von 30m3/ha nicht überschritten werden und auf der Fronthydraulik sollte ein Spurräumer montiert sein, der das Gülleband oder den Festmist im Räderbereich vorher einarbeitet.

Damit am Grünland die „Güllewürste“ nicht zum Problem werden!?

Damit am Grünland die bandförmig abgelegte Gülle nicht in das Futter einwachsen kann ist die Gülle entweder zu verdünnen (Sommergülle 1:1) oder bei größeren Transportentfernungen die Gülle zu separieren. Auch hinsichtlich Gülleseparierung ist eine Kubikmeterförderung in der neuen GAP Periode vorgesehen, um die hohen Herstellungskosten von 3-5€ pro Kubikmeter entsprechend reduzieren zu können. Spätestens bei Feld-Hofentfernungen von 5 km und mehr wird die Gülleseparierung
bereits aufgrund der eingesparten Transportkosten wirtschaftlich interessant. Der Güllefeststoff kann auch als Einstreualternative zu Stroh in Tiefboxen verwendet werden. Dabei sind insbesondere bei überbetrieblicher Gülleseparierung Hygienestandards einzuhalten! Jedenfalls darf kein Güllefeststoff derselben Tierkategorie von anderen Betrieben als Einstreu mitgeschleppt werden. Die Infiltrationseigenschaften (Eindringen der Gülle in den Boden) der separierten Gülle sind im Vergleich zu einer unbehandelten Gülle jedenfalls deutlich verbessert und die Neigung zur Futterverschmutzung deutlich reduziert. Unabhängig von der Ausbringtechnik besteht diesbezüglich jedenfalls Handlungsbedarf! Ergebnisse aus Österreich und der Schweiz zeigen mehrfach, dass breitflächig ausgebrachte Gülle in gleicher Weise, wenn nicht sogar erhöht
zur Futterverschmutzung neigt. Faktum ist, dass dieses Problem von den LandwirtInnen deutlich weniger wahrgenommen wird, als die Streifenbildung bei der bandförmigen Gülleausbringung.
Wird im Frühjahr die dicke Wintergülle bandförmig ausgefahren und es regnet anschließend nicht oder nicht ausreichend, ist es sinnvoll nach dem Antrocknen der Güllebänder diese mit dem Wiesenstriegel zu zerteilen.

Verluste reduzieren heißt Nährstoffeffizienz erhöhen!

Milchviehgülle hat je nach Rationsgestaltung, Leistungsniveau und Verdünnungsgrad zwischen 3 und 4 kg Gesamtstickstoff in einem Kubikmeter Gülle. Davon liegt rund 50% als Ammoniumstickstoff vor, also zwischen 1,5 und 2,0 kg NH4-N/m3 Gülle. Davon gehen bei breitflächiger Ausbringung im Schnitt über viele Versuche hinweg 50% als Ammoniak in die Luft. D.h. im Schnitt gehen bei einer Ausbringmenge von 20m3/ha rund 15 kg des gut pflanzenverfügbaren Stickstoffes in die Luft verloren. 50% dieser Verluste können wir verhindern, wenn die Gülle mit einem Schleppschuhverteiler ausgebracht wird. Konkret formuliert heißt das, dass pro Schnittdüngung bei 20 m3/ha Ausbringmenge 20 bis 25€/ha umgerechnet in Mineraldüngeräquivalente eingespart werden können (gerechnet mit 2,50€/kg N). Zusätzlich ist die Ausbringgenauigkeit der bodennahen Verteileinrichtungen deutlich besser als die der herkömmlichen Breitverteiler. Die offiziellen Prüfungen der Verteiler liegen bei einem Variationskoeffizienten meist um 5%, während sehr gute Breitverteiler (Möscha Pendelverteiler) bei 8-10% und der Prallkopfverteiler und der Superexaktverteiler bei 18 bis 20% liegen. Auch im Bereich der Wirtschaftsdüngertechnik ist die ONLINE Nährstoffmessung und damit die teilflächenspezifische Düngung bereits technisch möglich. Das ist zwar jetzt noch
Zukunftsmusik für viele bäuerlichen Betriebe, könnte allerdings in 15 bis 20 Jahren für einige Betriebszweige durchaus schon Standard sein. Die starke Reduktion der Geruchswahrnehmung von bodennah ausgebrachter Gülle ist ein weiterer Vorteil hinsichtlich der Akzeptanz in der Zivilbevölkerung. Damit lassen sich Nachbarschaftskonflikte deutlich reduzieren.
Die Nachteile der Technik sind nicht zu verheimlichen. Das zusätzliche Gewicht für Verteiler und Schläuche und ggf. für die Gleitschuhe oder Schitzscheiben liegt je nach Technik zwischen 800 und 1.500 kg bei Fässern zwischen 7,5 und 14 m3 Fassgröße. Die Mehrkosten von 80 bis 100% im Vergleich zu einem einfachen Fass werden durch die 40%ige Investitionsförderung auf den Verteiler etwas abgefedert. Der Ruf nach adäquaten, wirkungsvollen Zusätzen zu unseren Wirtschaftsdüngern, oder bereits bei der Fütterung mit mitverabreichten Zusatzmitteln reißt ebenfalls nicht ab.
Zumal damit sehr häufig auch die Hoffnung verbunden ist, dass dadurch die Investition in die teure, aufwändige Gülletechnik erspart werden kann. Dazu werden seit Ende 2020 an der HBLFA Raumberg-Gumpenstein offizielle, wissenschaftlich akkordierte Güllezusatzmitteluntersuchungen auf Geruch- und Ammoniakemissionen durchgeführt. Bis dato gibt es dahingehend noch kein Mittel, das den Anforderungen einer dauerhaften, gesicherten Emissionsreduktion in der Höhe der bodennahen Ausbringtechniken entsprechen würde. Weitere Zusatzmittelprüfungen sind jedenfalls geplant.


Zusammengefasst

Stickstoff ist ein wertvoller Nährstoff, der so gut als möglich im Kreislauf gehalten werden soll. Ammoniak entsteht auf mit Kot und Harn vermischten Oberflächen – im Stall, bei der Lagerung und bei der Ausbringung. 94% der Ammoniakemissionen stammen aus der Landwirtschaft. Davon müssen rund 10 kt reduziert werden – von 65,4 kt NH3 im Jahr 2020 auf 55 kt NH3 bis 2030. Die Wirtschaftsdüngerausbringung ist dabei besonders gefordert. Über 40% der Emissionen sind diesem Bereich zuzuschreiben. Um dieses Ziel zu erreichen müssen wenigstens 45% der Gülle im Grünland und 70% im Ackerland in Zukunft bodennah ausgebracht werden (derzeit rund 15%). Im ÖPUL NEU, ab 2023 wird die Förderung für bodennahe Gülleausbringung attraktiver sein als bisher und auch die Gülleseparierung ist wesentlich stärker in die Betrachtung mit
einzubeziehen. Insbesondere bei hohen Transportentfernungen lassen sich damit die Mehrkosten gut abdecken. Festmist muss auf unbestellten Ackerflächen unmittelbar (innerhalb von 4 Stunden!) eingearbeitet werden. Mit der bodennahen Gülleausbringtechnik können bis zu 30€/ha an Stickstoffverlusten eingespart werden. Die Mehrkosten für die teure etwas umständlicher zu bedienende Technik lassen sich mit der Förderung sowohl bei der Anschaffung der Technik als auch im Betrieb (Ausbringförderung) gut abdecken. Die höhere Stickstoffeffizienz bleibt kostenlos am Betrieb und hilft zudem Umweltschäden (Versauerung und Feinstaub) und Geruchsemissionen (Nachbarschaft!) zu reduzieren.


DI Alfred Pöllinger-Zierler,
DI Andreas Zentner und Gregor Huber
HBLFA Raumberg-Gumpenstein,
Raumberg 38, 8952 Irdning
alfred.poellinger-zierler@raumberg-gumpenstein.at

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