Das Grünland in Österreich steht zunehmend unter Druck. Zunehmende Trockenperioden, Starkregenniederschläge, Engerlinge schädigen die Grasnarbe und schmälern Ertrag und Futterqualität. Was für Strategien sind möglich, um trotz der sich ändernden Rahmenbedingungen die Grünlandbestände dicht, stabil und ertragreich zu erhalten?

Ursachen und Wirkungen

Im Grünlandgebiet ist es in den letzten zwanzig Jahren zu einer deutlichen Erhöhung der Jahresdurchschnittstemperaturen um mehr als 1,5°C im Vergleich zu den Achtzigerjahren gekommen. Die Prognosen für die nahe Zukunft liegen zumindest bei einer Erwärmung um 2-3°C. Eine Verlängerung der Vegetationsperiode um mehr als drei Wochen wird für die nächsten dreißig Jahre prognostiziert.

Die Niederschläge werden auch in Zukunft über das Jahr gesehen in Österreich konstant bleiben, die Niederschlagsverteilung wird sich aber ändern. Regen fällt dann eher im Winterhalbjahr, in der Hauptwachstumszeit fehlt zunehmend Wasser. Starkregenereignisse nehmen deutlich zu und werden gehäuft von Trockenperioden abgelöst. Die pflanzenverfügbare Wassermenge nimmt in der Hauptwachstumszeit daher auf vielen Standorten ab.

All diese Veränderungen wirken auf die Grünlandbestände. Die Vegetationsperiode beginnt deutlich früher, damit verändern sich traditionelle Auf- und Austriebstermine. Der Futterzuwachs im Frühjahr nimmt zu, die Ertragsdepression im Sommer ist in den meisten Jahren deutlich ausgeprägter als früher. Der Futterzuwachs im Spätsommer und Herbst ist deutlich höher. Damit verändern sich auch traditionelle Futterschnitte, auf einzelnen Standorten muss auch die Nutzungshäufigkeit angepasst werden. Nur wenige Standorte profitieren von diesen Veränderungen.

Auf trockeneren Grünlandflächen und besonders in den klassischen Grünland-Grenzregionen wirkt sich der (temporäre) Wassermangel negativ auf Ertrag und Futterqualität aus. Mit Ausnahme der gut wasserversorgten Standorte in kühleren Lagen ist künftig allgemein mit Ertragseinbußen zu rechnen.

Veränderungen werden sichtbar

Die Zusammensetzung des Pflanzenbestandes ändert sich. Generell geht der Anteil der wasserbedürftigen, flach wurzelnden Arten zurück. Das betrifft in erster Linie die wertvollen Futtergräser. Der dadurch entstehende Platz fördert sehr stark die tiefwurzelnden Kräuter und Leguminosen, darunter kritische Arten wie Kuhblume und Stumpfblättriger Ampfer, aber auch gewünschte Kleearten wie Rotklee oder Luzerne. Zusätzlich können dadurch Lücken entstehen, die ohne Gegenmaßnahmen zu- sätzlich die Ausbreitung unerwünschter Arten ermöglichen.

Offene Bestände sind auch deutlich attraktiver für die Eiablage von Mai- und Junikäfer und fördern dadurch das Auftreten von Engerlingschäden. Regional ist auch ein ver- stärktes Aufkommen von Schädlingen wie Feldmäusen zu beobachten, deren Population durch die milden Winter nicht mehr ausreichend reguliert wird.

Was kann die Forschung tun?

Es gilt, auch unter den veränderten Rahmen- bedingungen den Pflanzenbestand zu optimieren. Ziel ist das Erreichen eines dichten, idealen Pflanzenbestandes mit einem hohen Anteil trockenheitsverträglicher Gräser und Leguminosen. Dafür eignen sich die bekannt trockenheitsverträglichen Arten wie Knaulgras, Glatthafer, Luzerne und Rotklee, andererseits gibt es aber auch noch weitere Arten wie Rohrschwingel, Festulolium (Wiesenschweidel) oder Esparsette, die zwar für diese Eigenschaften bekannt sind, aber in Österreich nur beschränkt Verwendung finden.

Von der HBLFA Raumberg-Gumpenstein, der AGES und weiteren Partnern wurde auf sieben verschiedenen Standorten im Jahr 2019 ein umfangreicher Versuch gestartet (Projekt Seedmix), um folgende aktuelle Fragestellungen wissenschaftlich fundiert abzuarbeiten:

Sind Festulolium und Rohrschwingel für den Einsatz in Österreichischen Dauergrünland- und Feldfutterbaumischungen geeignet?

Wie schneiden die besten Sorten der Österreichischen Sortenliste im Vergleich zu Standardsorten ab?

Welche Leistungen bringen ÖAG-Qualitätsmischungen im Vergleich zu Standardmischungen?

Wie wird die Leistungsfähigkeit von Grünlandmischungen durch regelmäßige Nachsaat bzw. die jährliche Nachsaat von Rotklee beeinflusst?

Mit den umfangreichen Versuchsergebnissen soll es in den nächsten Jahren möglich sein, den Grünlandwirten noch bessere klimafitte ÖAG- Qualitäts-Saatgutmischungen zu empfehlen und diese im Handel auch anzubieten.

Was kann der Landwirt tun? Wirksame Sofortmaßnahmen

Je dichter der Pflanzenbestand, desto besser ist die Abschattung des Bodens, desto geringer sind Verdunstungsverluste. Daher auch mecha- nische Schäden nach Möglichkeit vermeiden bzw. offene Stellen sofort wieder einsäen. Dichte Pflanzenbestände sparen Wasser.

Einhalten einer ausreichenden Schnitthöhe von 7-10 cm! Hoch geschnittene Bestände treiben sehr schnell und kräftig wieder nach, der Boden wird sehr schnell wieder beschattet.

Verdichtete Böden haben ein beschränktes Porenvolumen, vor allem bei Starkniederschlägen rinnt viel Wasser oberflächlich ab und geht den Pflanzen verloren. Also Verdichtungen vermeiden, die Durchwurzelung fördern.

Es gibt bereits gute Praxiserfahrungen mit der regelmäßigen Übersaat von Rotklee, um Bestände wieder mit dieser wertvollen Leguminose anzureichern und den Futterwert zu erhöhen. Bei passenden Standortbedingungen ist auch eine Einsaat von Luzerne in bestehende Grünlandbestände möglich.

Lückige und fehlentwickelte Bestände können durch regelmäßige Einsaat mit einer passenden Nachsaatmischung nachhaltig in ihrer Bestandesstruktur verbessert werden. Wichtig ist dabei, die Wahl der Mischung dem Standort und der Bewirtschaftungsintensität anzupassen. Einen guten Überblick dazu finden sie auf der ÖAG-Homepage https://gruenland-viehwirtschaft.at/oeag-handbuch/mischungssuche-oesterreich.html.

Natürlich ist auch bei Neuanlagen die Wahl der richtigen Qualitäts-Saatgutmischung von besonderer Bedeutung. Dabei sollen immer die drei Eckpfeiler der Saatgutqualität für Grünlandmischungen beachtet werden:

  • Einhaltung des empfohlenen Österreichischen Mischungsrahmens, um sicher zu stellen, dass je nach Klimagebiet, Standort und Nutzungsart bzw. -intensität die richtigen Arten im richtigen Verhältnis enthalten sind!
  • Ausschließlich Sorten verwenden, die unter österreichischen Standorts- und Klimabedingungen langjährig auf Ertrag, Qualität und Ausdauer positiv geprüft sind. Nur solche Sorten (Österreichische Sortenliste, ÖAG Sortenliste) garantieren in der Praxis auch den Erfolg!
  • Nur garantiert ampferfreies Saatgut ver- wenden!
Dr. Bernhard Krautzer

HBLFA Raumberg-Gumpenstein, Raumberg 38, 8952 Irdning-Donnersbachtal bernhard.krautzer@raumberg-gumpenstein.at

ÖAG-Infoschrift 2022/1

  0 Wörter       0 Minuten

ÖAG-Mitglieder haben Zugriff auf alle Fachinformationen und Onlineartikel und können diese gratis lesen, bitte rechts oben auf "Anmelden" klicken.

Für € 20 pro Jahr können Sie eine Mitgliedschaft erwerben und erhalten zudem als Willkommensgeschenk eine Broschüre nach Wahl per Post zugesandt!

Werden Sie Mitglied!

 

Wir nutzen Cookies auf unserer Website. Einige von ihnen sind essenziell für den Betrieb der Seite, während andere uns helfen, diese Website und die Nutzererfahrung zu verbessern (Tracking Cookies). Sie können selbst entscheiden, ob Sie die Cookies zulassen möchten. Bitte beachten Sie, dass bei einer Ablehnung womöglich nicht mehr alle Funktionalitäten der Seite zur Verfügung stehen.