Autoren: DI Lukas Gaier, Dr. Wilhelm Graiss, DI Andreas Klingler, DI Peter Frühwirth

Als Engerlinge werden die Larven des Feldmaikäfers (Melolontha melolontha), des Gartenlaubkäfers (Phyllopertha horticola) sowie des Gerippten Brachkäfers (Amphimallon solstitiale) bezeichnet. In ihrer Entwicklung unterscheiden sich die Käfer wesentlich voneinander. Der Maikäfer hat einen Zyklus von drei bis vier Jahren, der gerippte Brachkäfer von zwei Jahren und der Gartenlaubkäfer von nur einem Jahr. All diese Käfer haben gemein, dass ihre Larven im Boden überwintern und sich hauptsächlich von Wurzeln und Humus ernähren. Bei den Pflanzenwurzeln sind die Larven nicht wählerisch und es können fast alle Pflanzenarten eines Grünlandbestandes als Nahrung genutzt werden, wobei nicht alle Arten gleich gerne gefressen werden, beziehungsweise manche ein längeres Durchhaltevermögen aufweisen.

Einer der wichtigsten Faktoren für die Prävention von Engerlingschäden ist ein dichter Pflanzenbestand mit einem hohen Futtergrasanteil. Da die Eiablage des Maikäfers oft mit dem ersten Schnitt zusammenfällt, finden die Weibchen viele offene Stellen in den Grünlandflächen vor. Eine geschlossene Grasnarbe erschwert einerseits die Eiablage der Käfer und andererseits vermindert sich die Erwärmung des Bodens auf diesen Flächen, was sich negativ auf die Eiablage auswirkt. Auch eine Düngung mit flüssigen Wirtschaftsdüngern direkt nach dem Schnitt wirkt sich negativ auf die Attraktivität einer Fläche zur Eiablage aus. Im Sinne einer sachgemäßen Düngung muss trotz dieser Wirkung der Ausbringungszeitpunkt und die Güllemenge an die vorherrschenden Witterungsbedingungen und an den Pflanzenbestand angepasst werden. Ein höherer Anteil an Futtergräsern lässt den Bestand nach der Mahd wieder rasch nachwachsen, der Boden erwärmt sich dadurch langsamer und der Bestand wirkt so unattraktiver auf die Käfer. Um dies zu erreichen muss standortangepasst bewirtschaftet werden. Das heißt Düngung, Nutzung und Pflanzenbestand müssen miteinander im Einklang stehen.

Ist die Düngung nicht optimal an die Nutzungsintensität und den Pflanzenbestand angepasst, wirkt sich das nachteilig auf den Anteil wertvoller Futtergräser aus. Eine lückige Grasnarbe und ein steigender Anteil nicht erwünschter Kräuter sind die Folgen einer unsachgemäßen Bewirtschaftung. Neben der Düngung muss sich auch der Pflanzenbestand an die Nutzungsänderung anpassen, was durch eine begleitende Über- bzw. Nachsaat unterstützt werden kann. Prinzipiell können verschiedenste Grünlandtypen mit Engerlingen befallen werden, allerdings ist die Gefahr bei eher extensiv genutzten, mäßig gedüngten Flächen aufgrund der lockeren Bestandsstruktur tendenziell höher.

Liegt der Verdacht eines Engerlingbefalls vor, sollte eine Befallskontrolle durchgeführt werden. Dazu wird eine 25 x 25 cm große Fläche freigelegt und die sichtbaren Engerlinge abgezählt, multipliziert man diese Zahl mit 16ergibt sich der Befall je m². Die Schadschwelle beim Maikäfer liegt bei 25 (Hauptfraßjahr) 40 (Flugjahr) Engerlingen pro m², wird dieser Wert überschritten, sollte eine Bekämpfung erfolgen. Die Bekämpfung muss bis spätestens Anfang September erfolgen, damit der Boden noch warm ist und die Engerlinge sich in den oberen Bodenschichten aufhalten.

Für die Bekämpfung stehen mehrere Möglichkeiten zur Verfügung.

Mechanische Bekämpfung:

Bei der mechanischen Bekämpfung wird die oberste Bodenschicht (ca. 10cm) bearbeitet. Diese Methoden beruhen auf zwei Prinzipien: einerseits werden die Larven durch die Schlag- und Quetschwirkung der Werkzeuge abgetötet, andererseits erfolgt eine Schwächung der freigelegten Engerlinge durch Exposition an UV-Strahlen. Wichtig ist also, dass die Bekämpfung bei möglichst intensiver Sonneneinstrahlung erfolgt.

Fräse
Für eine effektive Bekämpfung muss die Fräse möglichst tief ( mind. 8-10 cm) eingestellt werden Beim Einsatz dieses Verfahrens muss die Gefahr der Verschmierung und eine erhöhte Erosionsgefahr auf Hanglagen beachtet werden.

Zinkenrotor
Die Arbeitstiefe des Zinkenrotors ist auf mindestens fünf Zentimeter einzustellen. Aufgrund der Grasnarbenrückstände verringert sich die Erosionsgefahr im Vergleich zur Bearbeitung mit der Fräse.
Kreiselegge und Kreiselgrubber
Bei diesem Verfahren ist die Arbeitstiefe ist auf mindestens fünf Zentimeter (besser tiefer) einzustellen, wobei die Zinken unbedingt auf Griff gestellt werden müssen. Für den gewünschten Bekämpfungserfolg ist eine Fahrgeschwindigkeit < 2,5 km/h und eine möglichst hoch eingestellte Drehzahl erforderlich.

Umkehrrotoregge
Die Arbeitstiefe der Umkehrrotoregge ist auf mindestens fünf Zentimeter einzustellen. Grasnarbenreste und Steine werden in der unteren Schicht abgelegt. Die ersten Erfahrungen aus dem Jahr 2018 waren besonders auf Schotterböden vielversprechend. Es gibt jedoch noch keine Erfahrungen zur langfristigen Wirkung über mehrere Flugzyklen. Unabhängig vom Bearbeitungsgerät muss eine zweimalige Überfahrt im Abstand von 1-3 Tagen durchgeführt werden (2. Arbeitsgang wenn möglich tiefer), wobei die zweite Überfahrt mit der Ansaat einer Deckfrucht (Hafer, Sommerrogen) kombiniert werden kann. Direkt im Anschluss muss eine standortangepasste Grünlandmischung mit einem Feinsämereienstreuer oberflächlich gesät werden. Die Rückverdichtung mit einer Profilwalze ist von essentieller Bedeutung, um einen ausreichenden Bodenschluss der Samen zu gewährleisten.

Mikrobiologische Bekämpfung

Pilzgerste
Die zugelassenen Pilzgersten sind als Pflanzenschutzmittel deklariert, am Markt sind die Produkte Melocont © Pilzgerste für Maikäfer und GranMet-P© Pilzgerste für Gartenlaubkäfer verfügbar. Die präparierten Gerstenkörner werden mit einem Schlitzgerät mindestens 3 cm tief in den Boden eingebracht. Die empfohlene Aufwandsmenge pro Hektar beträgt 30 kg und muss in zwei aufeinanderfolgenden Jahren ausgebracht werden. Eine ausreichende Bodenfeuchte ist bei der mikrobiologischen Bekämpfung für den gewünschten Erfolg erforderlich.

Artis Pro®
Hierbei handelt es sich um ein Pflanzenhilfsmittel, dass entweder nach der ersten mechanischen Bearbeitung oder in einen intakten Grünlandbestand mit einem Cultangerät eingearbeitet werden kann. Kommt der einbrachte Pilz in Kontakt mit den Engerlingen lebt er als Parasit von ihnen. Wichtig ist, dass die Behandlung noch vor September erfolgt, da der Pilz Temperaturen von mindestens 15°C und eine ausreichende Bodenfeuchte für eine gute Entwicklung benötigt. Die empfohlene Aufwandsmenge pro Hektar beträgt 3 kg Substrat welches in 500 l Wasser aufgelöst wird. Für die Erfolgsmessung ist wichtig, dass die Engerlinganzahl vor der Behandlung möglichst genau erhoben wird.Bei der Nachkontrolle ist auf Schädelkappen und Beißwerkzeuge zu achten, da der Rest vom Pilz zum Teil vollständig zersetzt wird.

Weiterführende Literatur und Informationen
Frühwirth, P. (2016). Der Feld-Maikäfer - Grünlandwirtschaft mit dem Engerling. Linz: Landwirtschaftskammer Oberösterreich.
Frühwirth, P. (2019a). Engerlinge-Strategie 2019 - Informationen und Handlungsempfehlungen zur Engerling-Bekämpfung. Linz.
Frühwirth, P. (2019b). Engerlinge rechtzeitig bekämpfen bringt Erfolg. Grünlandprofi, 14-15.